Physikalismus: Eine falsche Sichtweise der Welt
von Peter Meyer
Englische Version

Physikalismus ist die philosophische Behauptung, dass nur das real ist, was physikalisch ist. Dabei bedeutet physikalisch: das, was durch Messung oder Vernunft als existent in der Welt gefunden oder hergeleitet werden kann und was durch unsere äußeren Sinne (Sehsinn, Gehörsinn, Tastsinn) wahrnehmbar ist. Physikalismus unterscheidet sich von der Physik. Physik ist (a) eine Aktivität, die auf Beobachtungen, Theorienbildung, Experimenten und Überprüfungen beruht und (b) ein Wissenskörper, der aus den Wahrheiten besteht, die durch diese Aktivität bestimmt sind. Dieser Aufsatz leugnet nicht die Wahrheit irgendeiner etablierten Feststellung der Physik. Physikalismus andererseits ist die ontologische Position, die uns versichert, dass nur das als real aufgefasst werden kann, was Gegenstand der Physik ist. In anderen Worten, diese Realität besteht nur aus dem, was mit Hilfe der äußeren Sinne beobachtet oder durch Untersuchungen der Physik als existierend nachgewiesen werden kann. Wenn die physikalische Realität nicht das Ganze umfasst, was real ist, dann ist es möglich, sowohl Wahrheiten der Physik zu akzeptieren als auch die Feststellung zu machen, dass Physikalismus falsch ist.

Es gibt kein allgemein anerkanntes “ismus”-Wort, das unser dominantes, modernes, säkulares (nicht-religiöses) Weltbild akkurat beschreibt. “Materialismus” kommt der Sache schon näher, aber in der modernen Physik wird “Materie” weniger materiell verstanden als man früher gedacht hat. Materialismus ist strikt gesehen die Sichtweise, die nur das als real anerkennt, was materiell ist. Dabei bedeutet “materiell”: aus Materie zusammengesetzt. Was aber ist Materie? Wenn wir Materie mit der Gesamtheit aller Atome und aller subatomaren Partikel gleichsetzen, dann bleibt noch die elektromagnetische Strahlung (Röntgenstrahlen, Gammastrahlen, Licht, usw.) übrig, die beobachtbare Effekte bewirkt und daher real ist, aber nicht materiell. So gesehen wird deutlich, dass Materialismus in strenger Auslegung falsch ist. Wenn in der modernen Welt die materialistische Sichtweise erwähnt wird, dann meint man die physikalistische Sicht, die im vorherigen Abschnitt definiert wurde. Aber viele Menschen sind sich über den Unterschied zwischen einer materiellen und nichtmateriellen physikalischen Realität nicht im Klaren und diese Menschen sehen keinen Unterschied zwischen Physikalismus und Materialismus. Für sie besteht die einzige Realität nur in dem, was gesehen und berührt, werden kann (Gehörsinn und Geruchsinn zeigen die Gegenwart von etwas an, was gesehen und berührt werden kann). Und wenn sie weiter darüber nachdenken, dann akzeptieren sie im Allgemeinen (sofern sie nicht Anhänger einer religiösen Sicht der Welt sind), was die etablierte Wissenschaft ihnen sagt: dass es keine andere Realität gibt als Atome (und subatomare Teilchen) und Strahlung.

Gegen den Physikalismus wird oft eingewendet, dass er die Existenz des Bewusstseins nicht erklären kann. Da Bewusstsein ohne Zweifel existiert (demonstriert durch die Tatsache, dass Sie dies hier bewusst lesen), kann Physikalismus nur feststellen, dass Bewusstsein irgendwie aus hinreichend komplexen Systemen “hervorkommt”, aus Atomen, subatomaren Partikeln und aus elektromagnetischer Strahlung, also aus all dem, was der Physikalist als real zulässt. Mit den Worten von Richard Dawkins (The God Delusion): “Menschliche Gedanken und Emotionen entstammen aus [engl. "emerge from"] überaus komplexen Verbindungen von physikalischen Entitäten innerhalb des Gehirns”. (Kursiv im Original) Auf diese Weise beschreibt Physikalismus das Bewusstsein als eine “emergente Eigenschaft” von komplexen physikalischen Systemen (sie müssen “emergent” kursiv setzen, um so Möglichkeiten von Kritik umgehen zu können). Aber indem man dies so bezeichnet, erklärt man nicht, wie dieses “Hervorkommen” möglicherweise stattfinden kann.

Physikalisten können über neurale Strukturen, resonante Muster der Gehirnaktivität und ähnliches so viel reden wie sie wollen, aber faktisch haben sie keine Erklärung für das Auftauchen [engl. "emergence"] von Bewusstsein aus ”komplexen Interaktionen von physikalischen Entitäten im Gehirn”. Dies ist tatsächlich eine Sache des Glaubens, vergleichbar mit dem christlichen Glauben über die Auferstehung von Jesus Christus. Ein Christ, der seinen Glauben anerkennt, sagt: “ Ich habe den Glauben gewählt, dass Jesus von den Toten auferstanden ist.” Ein Physikalist hat sich gleichermaßen entschieden zu glauben, nämlich, dass Bewusstsein aus komplexen Netzwerken von Neuronen “hervorkommt” [engl. "emerges"]. Aber er ist sich gewöhnlich nicht darüber im Klaren, dass dies seine eigene Wahl gewesen ist, so zu glauben.

Versuche eines Physikalisten das Bewusstsein zu erklären, sind tatsächlich Versuche es weg zu erklären. “Bewusstsein erklärt” durch einen Physikalisten ist in Wahrheit “Bewusstsein verneint”. Physikalisten müssen das Dilemma akzeptieren, dass Bewusstsein “in Wirklichkeit” nicht existiert oder dass die Existenz von Bewusstsein nicht begründet werden kann. Keine der beiden Alternativen ist zufriedenstellend.

Wenn Bewusstsein jedoch eine fundamentale und irreduzible Qualität der Realität ist (so dass eine Form von Bewusstsein bis ganz hinunter zu Molekülen und Atomen geht), dann ist die Existenz von bewussten Wesen wie wir selbst kein totales Mysterium. Aber wenn ein Physikalist die Möglichkeit zulässt, dass physikalische Realität inhärent bewusst ist (eine Idee, die die meisten Physikalisten ablehnen würden), dann ist der Weg frei für die Vorstellung, dass es eine Realität jenseits der physikalischen Realität gibt (d.h. jenseits der Existenz von Atomen, Molekülen und von elektromagnetischer Strahlung). Sich in diese Richtung zu bewegen bedeutet, den Physikalismus aufzugeben..

Niemand, der einer Religion anhängt und ihrer Idee wie die Welt ist nachfolgt, ist ein Physikalist. Religiöse Menschen glauben immer an etwas, das nicht Teil der physikalischen Realität ist. Oft ist dies ein “Höchstes Wesen”, das sie “Gott”, “Allah”, “Ishvara” usw. nennen. Aber daraus folgt nicht, dass jemand, der eine vom Physikalismus abweichende Weltsicht hat, unbedingt eine religiöse Sichtweise haben muss. Die Widerlegung des Physikalismus impliziert nicht die Wahrheit irgendeiner religiösen Lehre. Es ist ganz gut möglich, Physikalismus zu verneinen, ohne in irgendeinem Sinn religiös zu sein.

Die Antithese zu Physikalismus (die Ansicht, dass Physikalismus falsch ist) könnte Spiritualismus genannt werden. Aber unglücklicherweise wird diese Bezeichnung oft im Zusammenhang mit der Faszination des 19.Jahrhunderts in Bezug auf “Geister” verwendet, insbesondere mit der Hervorrufung von Geistern in Seancen. Wir wollen daher den Term “spirituelle Weltsicht” oder kurz auch “spirituelle Sicht” verwenden.

Die spirituelle Sicht besteht darin, dass sie eine Realität anerkennt (oder Realitäten), die erfahren oder gewusst werden kann (oder können), aber nicht innerhalb der Welt, die mit unseren äußeren Sinnen beobachtbar ist. Diese Sichtweise stellt selbst keine Behauptung auf über das, was in der spirituellen Realität existiert. Daher gibt sie keinen Hinweis auf die Existenz “Gottes” oder von Göttern. Was in der spirituellen Realität existiert ist etwas, was durch Erfahrung entdeckt werden sollte und was auch so entdeckt werden kann.

Wissenschaft ist nicht unverträglich mit der spirituellen Sichtweise, wenn man Wissenschaft als ein Streben nach Wissen von dem was real ist versteht. Wenn es eine nicht-physikalische Realität gibt, dann möchte der wahre Wissenschaftler Erkenntnis darüber erlangen. Moderne Naturwissenschaftler nehmen oft an, dass Physikalismus wahr ist, und verschließen sich so gegenüber dem Wissen von einer spirituellen Realität. Solche Naturwissenschaftler sind daher keinen wahren Wissenschaftler. Ein Naturwissenschaftler kann sagen, dass die physikalische Realität die einzige ist, die ihn interessiert. Aber er ist nicht berechtigt zu behaupten, dass Wissenschaft sich eigentlich nur mit der physikalischen Realität befassen kann.

Um zu zeigen, dass Physikalismus falsch ist, brauchen wir nur zu zeigen, wie man Erfahrungen und Wissen über etwas erhalten kann, das in der beobachtbaren Welt der äußeren Sinne nicht durch Messung und rationale Überlegung gefunden oder abgeleitet wurde. Dies muss etwas sein, das von vielen Menschen erfahren oder gewusst werden kann. Es genügt nicht, dass irgendjemand sagt: “Ich weiß, dass Gott existiert, weil Er zu mir gesprochen hat.” Solch eine Erfahrung kann für die Person, die diese Erfahrung gemacht hat, überzeugend sein, doch ist dies kein Beweis dafür, dass “Gott” existiert.

Es gibt keine größte Primzahl; dies ist seit der Zeit von Euklid bekannt (er hat einen Beweis geliefert). Wir wissen, dass dies wahr ist, aber Primzahlen existieren nicht in der physikalischen Welt, daher ist Physikalismus falsch. Man könnte hier einwenden, dass es dazu viele Beispiele in der physikalischen Welt gibt: drei Äpfel, fünf Orangen, usw. Darauf lässt sich antworten, dass es in der physikalische Realität nur eine endliche Anzahl von Objekten gibt. Was immer das für eine Anzahl ist, es gibt eine größere Primzahl, Ich schlage hier nicht vor, dass Primzahlen in einer Art von platonischem Himmelreich existieren. Aber ich meine, dass die mentale Fähigkeit der Menschen Primzahlen wahrzunehmen (und unendlich-dimensionale Hilberträume und ähnliches) nicht durch darwinistische Selektion erklärt werden kann. Und dies ist ein Hinweis darauf, dass im Menschen eine höhere Intelligenz Ausdruck gefunden hat (zumindest in einigen von ihnen).

Betrachten wir den Fall der Schönheit in der Musik. Die Musik von J.S.Bach hat eine universelle Anziehungskraft. Es erfüllt uns nicht nur mit Freude, der Musik von Bach zuzuhören, sie ist wunderschön, manchmal tiefgreifend schön. Dasselbe gilt für die Musik von Mozart, Beethoven, Mahler und Puccini — es ist nicht nötig Beispiele aufzuführen; Millionen von Menschen kennen die Schönheit, die man in ihrer Musik finden kann. Aber diese Schönheit existiert nicht in der physikalischen Welt. Es gibt kein System von Atomen, Molekülen, von elektromagnetischer Strahlung usw., wie komplex auch immer, das die Schönheit darstellen kann, die in den vielen bekannten Beispielen hervorkommt: in einer Bachkantate, in der langsamen Bewegung eines Klavierkonzerts von Mozart, in Mahlers Symphonie “Die Auferstehung” oder in einer Arie von Puccini. Diese Schönheit wird nicht vom Ohr wahrgenommen, sondern vom Bewusstsein. Wir haben ein Bewusstsein davon. Die Wahrnehmung dieser Schönheit erreichen wir nicht durch die äußeren Sinne, wir erfahren dies mit einem inneren Sinn. Und auf diesem Planeten sind es nur die Menschen, die ihr Bewusstsein hinreichend entwickelt haben, um Schönheit auf dieser Stufe wahrzunehmen. Die Eigenschaften unseres Körpers können durch darwinistische natürliche Selektion erklärt werden, aber nicht die Eigenschaften unseres Bewusstseins.

Menschliches Bewusstsein kann Objekte der Wahrnehmung besitzen, die jenseits der physikalischen Welt liegen. Da die physikalische Welt die Welt ist, in wir unsere Körper bewegen und in der wir körperlich interagieren, tendiert das Bewusstsein von Objekten der nicht-physikalischen Realität dazu privat zu sein. Aber wenn hinreichend viele Menschen über die Details einer Erfahrung von Etwas übereinstimmen, das kein Objekt der physikalischen Welt ist, dann bekommt dieses Etwas den Status einer intersubjektive Realität, oder in anderen Worten eine Objektivität. Zum Beispiel existiert ein Regenbogen nicht als System von Atomen, Molekülen, doch die Menschen einer Gruppe können (es können Hunderte sein) alle denselben Regenbogen wahrnehmen. Natürlich kann der Regenbogen in Begriffen wie Sonnenlicht wird an Millionen von Wassertropfen gebrochen “erklärt” werden, doch das erklärt einfach nur das Muster der elektromagnetischen Strahlung, die auf die Retina der Menschen trifft, die den Regenbogen wahrnehmen — aber es erklärt nicht die Erfahrung des Regenbogens (da Physikalismus Bewusstsein nicht erklären kann).

Menschen, die einen Regenbogen beobachten, sind sich über die Reihenfolge der Farben einig (von Indigo über Grün nach Rot), ebenso darüber, ob es ein doppelter Regenbogen ist usw. . Der Regenbogen besitzt kein Volumen im 3-dimensionalen Raum, aber er kann im physikalischen Raum beobachtet werden kann. Daher neigen wir dazu, dies eher als eine Illusion aufzufassen, und Regenbogen selbst zeigen nicht, dass Physikalismus falsch ist.

Aber sie illustrieren das Prinzip, dass Realität das ist, was intersubjektiv verifizierbar ist. Regenbogen sind real, aber sie sind keine physikalischen Objekte. So gibt es auch andere Dinge, die real sind, die nicht physikalisch sind, aber von vielen Menschen erfahren werden.

Um diese anderen Dingen zu erfahren, ist ein Wechsel der Gehirnchemie erforderlich. Das menschliche Gehirn funktioniert biochemisch in einer Standardeinstellung, die daran orientiert ist, das Überleben in der physikalischen Welt zu sichern. Diese Funktionsweise betont die Beiträge der äußeren Sinne (besonders den Sehsinn) und motorischen Fähigkeiten und Koordination ( wenn ein Affe, der sich auf einem Pfad bewegt, auf ein Objekt trifft, muss er sehr schnell entscheiden, ob dies eine anderer Affe ist oder nicht, und in beiden Fällen muss er entscheiden, was zu tun ist).

Menschliche Gehirne haben jedoch seltsame Fähigkeiten, die durch einen Wechsel der Gehirnchemie ausgelöst werden können. Ein menschliches Gehirn, das LSD, Psilocybin, Meskalin oder ähnlichen Substanzen ausgesetzt ist, funktioniert in einer völlig anderen Weise. Es lässt Formen von Bewusstsein hervorkommen, die vom alltäglichen Bewusstsein radikal verschieden sind. Jemand, der diese alternativen Formen des Bewusstseins nicht direkt erfahren hat, kann nur eine vage Idee davon haben, jedoch kann er darüber lesen. In diesen veränderten Zuständen ist ein erweitertes Bewusstsein möglich — eine Erweiterung, die über das Alltagsbewusstsein hinausgeht, das auf den Input der äußeren Körpersinne fokussiert (und größtenteils beschränkt) ist. Das Bewusstsein kann in seltsame Bereiche wandern.

Schamanen sind trainiert dies zu tun, sie “wandern” nicht so sehr herum, sondern sie reisen mit Absicht. In ihren Reisen treffen sie auf Geistwesen mit denen sie kommunizieren. Diese Wesen erscheinen ihnen oft in Form von Tieren. Schamanen haben viele Tausend Jahre lang psychoaktive Pflanzen (Peyote, Datura, Amanita Pilze usw.) verwendet, um Bewusstseinszustände zu induzieren, die ihnen gestatten, in eine nicht normale Realität einzutreten und mit Geistwesen zu kommunizieren, die ihnen Informationen vermitteln (wann und wo man jagen sollte, wo verlorengegangene Objekte gefunden werden können, welche Pflanzen für welche Zwecke gut sind usw.). Trotz der Beweise, die durch Anthropologen in ihren Studien der schamanischer Kulturen angesammelt wurden, neigen die Physikalisten zur Ablehnung. Das Eintreten der Schamanen in eine außergewöhnliche Realität ist nicht konsistent mit ihren physikalistischen Annahmen. Mit dieser Ablehnung verraten sie ihre Berufung als Wissenschaftler, da ein wahrer Wissenschaftler alles über die Realität herauszufinden sucht und dies durch Erfahrung und Beobachtung (gestützt durch den rationalen Verstand) verstehen möchte. Anthropologische Daten zu verwerfen, weil sie nicht konsistent mit den eigenen Annahmen sind, ist ganz klar unwissenschaftlich.

Physikalisten könnten, wenn sie wollten, in dieselben außergewöhnlichen Zustände eintreten, wie es die Schamanen tun, und mit den gleichen Hilfsmitteln (obwohl ihnen die Erfahrung und das Training eines Schamanen fehlt). Trotz wohlmeinender, drakonischer, bösartiger und verachtenswerter Gesetze, die den Gebrauch psychoaktiver Substanzen kriminalisieren, ist es noch möglich, ein Ayahuasca Gebräu zu erhalten, Psilocybin Pilze im Dung der Kühe zu finden und über diskrete Kanäle eine Vielzahl von Psychedelika zu bekommen. Es gibt viele Menschen, die den Wert dieser Substanzen kennen und die ihre Freiheit riskieren, um anderen beizustehen, die Erfahrung einer außergewöhnlichen Realität zu machen).

Die kraftvollste psychedelische Substanz ist (zumindest ist das meine Erfahrung) N,N-dimethyltryptamine (oder kurz DMT), eine Substanz, die jedem in eigener Erfahrung erlaubt, die Falschheit der physikalistischen Annahmen zu beweisen, dass jede Realität aus Systemen von Atomen, Molekülen und elektromagnetischer Strahlung besteht. DMT liefert den Zugang zu einem Reich, das so außerordentlich seltsam ist, dass es unvorstellbar erscheint, dass dies Teil einer begrenzten Realität eines Physikalisten sein könnte. Es erlaubt die Erfahrung eines Reiches, das von nicht inkarnierten Wesenheiten bewohnt ist, die als unabhängige, selbstevidente und intelligente Wesen existieren. Sie existieren an einem Ort, der nicht in dieser physikalischen Welt sein kann.

Diese Wesen wurden von vielen Menschen berichtet. Dies ist keine Sache von wenigen “Verrückten mit verdrehten Augen”, die von “selbst-transformierenden Maschinen-Elfen” murmeln. Bis heute haben Hunderte von Menschen, möglicherweise Tausende, diese Wesenheiten erfahren (zuerst wurden sie durch Terence McKenna in das öffentliche Blickfeld gerückt). Und alle stimmen überein, dass sie, und den Raum den sie bewohnen, total bizarr sind (und je weiter man eindringt, umso bizarrer werden sie). In dieser Weise besitzen diese Wesenheiten eine intersubjektive Gültigkeit — eine ganze Reihe von Menschen bestätigen diese Wesen, oder zumindest stimmen sie darin überein, dass sie existieren. Und es würden mehr Menschen in der Lage sein, das zu bestätigen, wenn DMT legal wäre. Das Verbot existiert hauptsächlich, weil die psychedelische Erfahrung die Falschheit der Mainstream-Definition von Realität bloßstellen würde. Der Gebrauch psychedelische Substanzen wird von denen verboten, die die Masse der Menschen in einem Zustand spirituelle Ignoranz halten wollen (dadurch ist es einfacher, sie in einem Zustand unfreiwilliger Knechtschaft zu halten).

Terence und Dennis McKenna haben schon 1975 in ihrem Buch The Invisible Landscape) festgestellt:

Die Idee der simultanen Koexistenz einen fremdartigen Dimension um uns herum ist eine ebenso seltsame Idee im Kontext unserer modernen Gesellschaft wie für die ersten Schamanen, deren Experimente mit psychoaktiven Pflanzen sie bald an die tryptamine Türschwelle brachte. Was ist die Natur der unsichtbaren Landschaft jenseits dieses Eingangs? ... Wenn der Welt hinter der Türschwelle eine übereinstimmende Bestätigung gegeben werden kann, wie im Fall eines Elektrons oder eines Schwarzen Lochs ... dann wird unser eigener begrenzter historischer Kampf Gegenstand von ganz neuen Welten von Möglichkeiten.

Hier ist ein Extrakt aus einer anderen Quelle:

Ich bin außerhalb in einem sehr futuristisch anmutenden Garten mit hellen Farben, sehr klein, überall mit Punkten gesprenkelt, die alle in bestimmte Richtungen fließen. Keine Pflanzen, aber trotzdem ein Garten. Da ist ein Korridor mit einem spürbaren Ambiente, ich kann dem Raum um mich herum fühlen. Dann erscheint eine Tempelstruktur in futuristischem Stil, wie ein Maya- oder Hindu–Tempel aus dem Weltraumzeitalter, mit einer Architektur ähnlich der Sonnenpyramide von Teotihuacan, mit der Ausnahme, dass die Wände nach außen umgekehrten Terrassen zeigen. Es erscheint sehr real, aber ebenso flüchtig, mit schnellen Wechseln. Das sind Wesen, die vom dem Moment an da waren, als ich in den Trip hineingegangen bin, bis zu den Momenten, in denen ich versuche auszusteigen. Sie scheinen auf mich gewartet zu haben. ... Sie sind sehr farbenfroh und haben ein dauerhaft seltsames Grinsen. Sie sind sehr schlank und sie können ihre Arme in seltsamen Winkeln herumbewegen. Trotz der hohen pulsierenden Frequenz mit der sie sich bewegen, war dies immer noch eine fließende Bewegung. ... Die Wesen zeigten weiterhin ihr Grinsen. Sie wussten, dass ich wusste, dass dies der Preis war, der gezahlt werden musste, um in ihre “spezielle” Welt einzutreten. Sie waren sehr begierig darauf, mir ihre Magie zu zeigen. Ich versuchte wegzuschauen, aber jedes Mal wenn ich den Versuch machte aufzuhören, stoppten sie meinen Atem, um eine verblüffende, transformierende Magie anzuwenden, die ich einfach nicht beschreiben kann und die so erstaunlich war, dass ich gehindert wurde wegzusehen. Dies war wunderschön und total bizarr. Es schien so als ob die Stärke der vollzogenen Magie für mich irgendwie zu viel war. Feste Formen von Farbe und Umfang, weit über der geometrischen Formen hinaus. Im Angesicht. Sie fuhren fort, diese Magie auszubreiten, wie beim Öffnen einer dieser dekorierten Handfächer. Sie wussten, dass dies der einzige Ort war, an dem ich diese Erfahrung machen konnte. Nicht einmal das Gedächtnis könnte diesen Stoff sehen. Ich konnte dies nicht mitzurücknehmen. Sie wollten es groß. Es war tatsächlich eine feste Realität, aber mit konstantem Wechsel.

Über 200 Fälle von DMT-Anwendern berichten Begegnungen mit intelligenten Wesenheiten (siehe 340 DMT Trip Reports). Diese Berichte zeigen, dass dieser Wesenheiten in einem Raum von besonderen Art als existierend wahrgenommen werden. Aber dies ist mit Sicherheit nicht der Raum der gewöhnlichen Erfahrung. Er wurde mit dem 4-dimensionalen Raum verglichen und aus Ermangelung eines besseren Wortes Hyperraum genannt. Der Hyperraum und die Wesenheiten, die man in ihm vorfindet bilden eine fundamentale Herausforderung für diejenigen Philosophen, die für Physikalismus in jeder Form eintreten.

Es gibt drei Positionen, die ein Philosoph in Bezug auf den Hyperraum und die DMT-Wesenheiten beziehen kann:

  1. Hyperraum ist nicht mehr real als der Raum, den wir in Träumen erfahren, und die Wesenheiten dort sind nicht realer als die Menschen, denen man im Traum begegnen kann (dies ist als ein subjektives, mentales Phänomen zu sehen).
  2. Hyperraum ist real und nicht Teil des physikalischen Raums, daher sind die Bewohner nicht-physikalisch
  3. Hyperraum ist real und fundamental aus demselben Stoff wie die physikalische Welt; beide sind physikalisch werden aber in unterschiedlicher Weise wahrgenommen.
Setzt man voraus, dass unter den zeitgenössischen Philosophen ein nahezu totaler Mangel an Erfahrungen mit dem DMT-Zustand gegeben ist, dann ist es fast sicher, dass ihre überwiegende Antwort #1 sein wird. Aber dies ist grundsätzlich ein Argument, das auf Unwissenheit beruht (da diese Philosophen keine direkte Erfahrung mit dem DTM-Zustand haben). Dadurch wird a priori jede Form von Evidenz ausgeschlossen (nämlich das Zeugnis von vielen Menschen, die DMT-Wesenheiten erfahren haben), einfach weil diese Evidenz mit den gewöhnlich gemachten Annahmen nicht konsistent ist.

Für jeden, der nicht Stufe III der DMT-Erfahrung erlebt hat, ist es tatsächlich unmöglich sich dies vorzustellen, auch wenn sie viel darüber gelesen haben oder mit denen gesprochen haben, die diese Erfahrung gehabt hatten. Diese Stufe der Erfahrung ist von einer Natur, die sich radikal von der Alltagserfahrung, der Traumerfahrung und von den meisten anderen psychedelischen Erfahrungen unterscheidet (auch dann wenn man eine Reihe von LSD Trips unternommen hat, kann man sich trotzdem die volle DMT Erfahrung nicht vorstellen). Daher ist niemand, der nicht den DMT Hyperraum erfahren hat, qualifiziert irgendetwas darüber zu sagen. Aber man kann über philosophische Folgerungen diskutieren, die auf den Berichten derer basieren, die tatsächlich wissen wovon sie reden.

#3 ist für einen Physikalisten möglich (obwohl eher für einen unkonventionellen), aber es ist eine Erklärung erforderlich, wie man die Behauptung unterstützen kann, dass diese DMT Wesenheiten aus demselben Stoff (Atome, Moleküle) zusammengesetzt sind, wie die Wesenheiten der normalen physikalischen Welt Möglicherweise sind sie nicht aus irgendeinem Material zusammengesetzt, sondern sind eine Art von “Energiewesen” (da für einen Physikalisten “Energie” die einzige Alternative zu Quarks, Mesonen, Protonen,Atomen usw. darstellt). Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die Natur dieser Wesenheiten für uns, im gegenwärtigen Zustand unserer intellektuellen Entwicklung, total unbegreiflich ist. In den Worten des anerkannten britischen Biologen J.B.S.Haldane (selbst ein großer Psychonaut), “sie sind nicht nur seltsamer als wir annehmen, sondern sie sind seltsamer als wir annehmen können”.

Wenn #1 abgelehnt wird, weil diese Position auf Unwissen und Vorurteil beruht, und wenn #3 eine nicht haltbare Position darstellt, dann bleibt noch #2. Dies gibt Sinn, wenn wir die Hypothese betrachten, dass das, was wir als physikalische Realität betrachten, tatsächlich Teil einer größeren Realität ist (oder genauer eine Blase in einer größeren Realität, mit unserer gewöhnliche Erfahrung der physikalischen Realität, die vollständig innerhalb dieser Blase gemacht wird und daher ihren Begrenzungen unterliegt). Und es ist der nicht-physikalische Teil dieser größeren Realität, die wir direkt im DMT-Zustand erfahren.

Es ist möglich, dass diese physikalische Welt tatsächlich ein Inkubator für Seelen ist. Man kann das so verstehen, dass unser Leben in dieser Welt, ebenso wie der Mutterschoß ein Inkubator für unseren physikalischen Körper ist, die Entwicklung eines mentalen Körpers ermöglicht, der nach der Auflösung des physikalischen Körpers, dauerhaft weiterexistiert; und wie die Geburt ein Übergang aus dem Schoß in eine höherdimensionale und riesige, stärker komplexere Welt ist, so ist der Tod (wenn der mentale Körper hinreichend entwickelt ist) ein Übergang aus der Welt des physikalischen Lebens in eine höherdimensionale und unermesslich komplexere Welt der DMT-Wesenheiten.

Oder es könnte sein, dass diese physikalische Welt von den Wesenheiten konstruiert und erhalten wird, die diese hyperdimensionale und unermesslich komplexere Welt bewohnen. Und dass unsere Seelen (unsere hyperdimensionalen Selbste) schon vorher in dieser Welt existieren und in physikalischen Körpern inkarnieren, um nach dem Tod des Körpers in die überräumliche Welt zurückzukehren, aus der sie gekommen sind. Möglicherweise ist beides wahr.

Galileo war einer der Ersten, die die Physik auf der Grundlage von Beobachtung entwickelten. Und er entwarf eine frühe Form des Teleskops, um die Berge auf dem Mond und die Monde des Jupiters zu beobachten. Die aristotelischen Philosophen seiner Zeit verneinten die Existenz dieser beobachteten Objekte a priori. In diesem Disput verweigerten sogar zwei dieser Philosophen, Cesare Cremonini und Giulio Libri, durch das Teleskop zu schauen. In ähnlicher Weise verweigern die meisten, wenn nicht alle, zeitgenössischen Philosophen durch die Linsen zu schauen, die durch psychedelische Substanzen geliefert werden, um eine Realität wahrzunehmen, deren Existenz von den Physikalisten geleugnet wird (ebenso wie die Philosophen aus der Zeit von Galilei die Existenz der Monde des Jupiter geleugnet haben). Beobachtungen, die aus der Anwendung von DMT stammen widerlegen die konventionelle Weltsicht der Physikalisten absolut. Aber dies ist gegenwärtig nur einer kleinen Anzahl von Menschen bewusst — sie sind die wahren Gnostiker dieses Zeitalters.


Dieser Aufsatz wurde auf Serendipity im Juli 2008 geschrieben und veröffentlicht.
Einige Zusätze zum Text wurden im August 2010 gemacht.
Diese Übersetzung durch Klaus Scharff wurde im Juli 2012 veröffentlicht.


A copy of the Serendipity website is available on CD-ROM.  Details here.

Apparent Communication with Discarnate Entities
Induced by Dimethyltryptamine (DMT)
Psychedelics Serendipity Home Page